Auf der analytischen Plattform Baku Network ist eine neue Ausgabe der Sendung „Dialog mit Tofik Abbasow“ ausgestrahlt worden.
Zu Gast im Studio war die Volkskünstlerin Aserbaidschans, Solistin des Staatlichen Akademischen Opern- und Balletttheaters sowie Professorin an der Musikakademie, Gyulnaz Ismailowa.
Im Gespräch mit Moderator Tofik Abbasow sprach die bekannte Opernsängerin über die tiefgreifenden Veränderungen, die die aserbaidschanische Gesellschaft derzeit durchlebt, über die Rolle der Kultur bei der Herausbildung nationaler Identität sowie über ihren persönlichen künstlerischen Weg und ihre pädagogische Arbeit.
Nach Worten von Gyulnaz Ismailowa ist die heutige Generation Zeugin historischer Umbrüche von außergewöhnlicher Tragweite geworden.
„Wir durchlaufen die Schichten des Lebens und der Kultur bewusst und mit großer emotionaler Tiefe. Wir sind auf einer ganz anderen Grundlage des Lebens und der Erziehung groß geworden. Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit sich alles verändert, und wir bemühen uns, mit der Zeit zu gehen, modern zu bleiben und den Anforderungen der Gegenwart sowie der Informationstechnologien zu entsprechen“, sagte sie.
Die Künstlerin betonte, dass Aserbaidschan gegenwärtig eine qualitativ neue Entwicklungsphase im gesellschaftlich-politischen und kulturellen Bereich erlebe.
„Heute sehen wir einen kolossalen Aufbruch unseres Landes im gesellschaftlich-politischen und kulturellen Leben, und wir versuchen, an diesen Veränderungen aktiv mitzuwirken. Im Kulturbereich wird außerordentlich viel getan. Kultur ist ein allumfassender Begriff, zu dem ich auch Bildung, Informationsstrukturen und Konzertinstitutionen zähle. Es werden alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen“, sagte Ismailowa.
Ein besonderer Teil des Gesprächs war der Natur der künstlerischen Berufung gewidmet. Nach Auffassung von Gyulnaz Ismailowa befindet sich ein Mensch der Kunst in einem permanenten Zustand des Suchens und der Weiterentwicklung.
„Das ist kein Zufall – das ist eine höhere Bestimmung, eine Berufung und ein Auftrag, das Erhabene zu den Menschen zu tragen. Ich bin niemals außerhalb der Kunst. Auch im Leben bin ich auf der Bühne. Selbst wenn ich durch die Straße gehe und die Menschen anschaue, denke ich an die Kunst, daran, wie ich mich vom Leben nähre. All das bringe ich in meinen Beruf ein. Aus Natur, Zuhause, Stimmungen und Beziehungen entsteht eine neue Konstellation. Auf der Bühne fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser, denn die Bühne ist für mich das Leben“, sagte sie.
Einen besonderen Platz nahm im Gespräch auch das Thema des befreiten Schuscha ein. Die Sängerin berichtete von einer jüngsten Reise in die Stadt, mit der ihre familiären Wurzeln verbunden sind.
„Vor Kurzem war ich in Schuscha, dort liegen meine Wurzeln. Ich habe das Bülbül-Museum besucht, danach das Anwesen von Hadschi Gulu. Eine starke Erregung erfasste mich, die Gefühle brachen mit voller Wucht über mich herein, denn all das ist mit meinen Vorfahren verbunden. Ich habe unglaubliche Emotionen erlebt, ich habe eine genetische Verbindung gespürt, obwohl ich dort nicht geboren wurde“, sagte sie.
Die Künstlerin hob außerdem die Bedeutung der staatlichen Politik bei der Wiederherstellung der von der Okkupation befreiten Gebiete und bei der Sicherung einer friedlichen Entwicklung des Landes hervor.
„Nach dem Sieg habe ich in Schuscha auf einer improvisierten Bühne gesungen. Das war zutiefst bewegend. Die Seele zerriss mir fast: Ich sang vor Soldaten, die gerade erst unsere Perle Schuscha befreit hatten. Als wir von der Befreiung Schuschas erfuhren, weinten wir vor Freude. Es war ein überaus schwerer Weg zum Sieg. Wir sind zu einer Nation der Sieger geworden, unser nationales Selbstbewusstsein ist auf eine völlig neue Stufe gestiegen. Und die Arbeit in dieser Richtung geht weiter – stehen bleiben dürfen wir nicht“, betonte Ismailowa.
Auf die Frage nach ihrer Inspiration sagte sie, die eigentliche Quelle ihrer Energie sei das Leben selbst.
„Jeder neue Tag schenkt neue Gedanken und neue Energie. Ich habe mich nie als jemand gesehen, der bereits einen Gipfel erreicht hat, denn die Kunst ist unendlich. Luciano Pavarotti sagte: ,Solange ich lebe, lerne ich.‘ Indem wir andere lehren, lernen wir selbst. Es ist eine unglaubliche Aufgabe, eine neue Generation heranzubilden. Im Arbeitsprozess gibt es unzählige Entdeckungen, denn wir arbeiten mit lebendigem Material“, resümierte die Volkskünstlerin.
Wir präsentieren den Leserinnen und Lesern die vollständige Videoausgabe der Sendung:



