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George Soros wird häufig entweder als dämonischer „Puppenspieler“ dargestellt, der angeblich personlich Regierungen und Revolutionen lenkt, oder als untadeliger Philanthrop, der selbstlos Milliarden fur Bildung, Medizin und den Schutz der Menschenrechte verteilt. Beide Darstellungen sind bequem, aber gleichermassen primitiv.

Soros ist kein heimlicher Herrscher der Welt. Er hat jedoch eines der grossten privaten Netzwerke politischen, ideologischen und gesellschaftlichen Einflusses in der modernen Geschichte geschaffen. Dieses Netzwerk finanziert Universitaten, Nichtregierungsorganisationen, Medien, Menschenrechtsstrukturen, Wahlbeobachter, Gerichtsverfahren, Antikorruptionsvorhaben, Migrationsprogramme und liberale politische Initiativen.

Das Problem liegt nicht in Fantasien uber einen Mann, der in einem geheimen Arbeitszimmer Knopfe druckt. Das Problem ist ein anderes: Ein einzelner, uberaus vermogender Finanzier erhielt die Moglichkeit, uber Jahrzehnte hinweg Dutzende Milliarden Dollar in die Veranderung der Gesetzgebung, der politischen Kultur und der gesellschaftlichen Institutionen von Dutzenden Staaten zu investieren.

Das ist keine gewohnliche Wohltatigkeit mehr. Es ist private Aussenpolitik.

Es geht nicht um einen mythischen Puppenspieler, der insgeheim die Welt lenkt, sondern um ein wesentlich realeres System: Auslandisches Geld verwandelte sich in Netzwerke aus Nichtregierungsorganisationen, Beobachtern, Medien, Fachleuten und Aktivisten, die in einer politischen Krise den Staat herausfordern konnten.

Am 25. Juni 2026 schrieb Elon Musk, George Soros wolle der westlichen Zivilisation ein Ende setzen. Ein Jahr zuvor hatte Prasident Trump gefordert, George und Alex Soros auf der Grundlage des US-Bundesgesetzes zur Bekampfung krimineller Organisationen zur Verantwortung zu ziehen, und ihnen die Unterstutzung gewalttatiger Proteste vorgeworfen. Beweise fur Straftaten legte Trump damals nicht vor. Doch bereits die Tatsache, dass der 95-jahrige Finanzier weiterhin Gegenstand eines politischen Kampfes zwischen dem Weissen Haus, Technologiemilliardaren und transnationalen Stiftungen ist, zeigt: Wir haben es nicht mit einer Gestalt der Vergangenheit zu tun, sondern mit dem Symbol eines weiterhin wirksamen Einflusssystems.

Der Hauptfehler der Kritiker von Soros besteht in dem Versuch, ihn in einen karikaturhaften Bosewicht zu verwandeln, der Revolutionaren, Journalisten und Oppositionspolitikern personlich Befehle erteilt. Diese Vereinfachung kommt seinen Anhangern zugute: Sie ermoglicht es, jede ernsthafte Kritik als Verschworungsdenken und Fragen nach dem politischen Charakter seiner Stiftungen als Ausdruck von Unwissenheit oder Hass darzustellen.

Fur die Analyse des Soros-Netzwerks bedarf es weder Mythen noch ethnischer Theorien oder Fantasien uber eine geheime Weltregierung. Es genugt, die offiziellen Berichte des Instituts fur eine offene Gesellschaft und der Stiftungen fur eine offene Gesellschaft zu untersuchen. Darin wird ausdrucklich erklart, dass die Organisation die staatliche Politik gestalten, Medien und Zivilgesellschaft unterstutzen, rechtliche und wirtschaftliche Reformen beeinflussen, internationale Koalitionen schaffen und Gesetzesanderungen durchsetzen will.

In seinem Bericht fur das Jahr 2004 bezeichnete sich das Institut fur eine offene Gesellschaft als private Stiftung, deren Aufgabe darin bestehe, die offentliche Politik im Interesse demokratischer Regierungsfuhrung, der Menschenrechte sowie wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Veranderungen zu gestalten. Das Netzwerk erstreckte sich damals auf mehr als 60 Staaten.

Das ist keine Wohltatigkeit im herkommlichen Sinne mehr. Ein Wohltater baut ein Krankenhaus oder finanziert eine wissenschaftliche Untersuchung. Eine politische Stiftung schafft Gruppen, die bestimmen, was als faire Wahl gelten soll, welche Gesetze verabschiedet werden mussen, welche Regierungsentscheidungen fur illegitim zu erklaren sind und wann gesellschaftliche Unzufriedenheit in politische Mobilisierung uberfuhrt werden soll.

Soros ist kein heimlicher Herrscher der Welt. Doch er schuf eines der grossten privaten Netzwerke politischen und ideologischen Einflusses in der modernen Geschichte. Im Kern handelt es sich um private Aussenpolitik.

Zwischen Damonisierung und tatsachlichem Einfluss

Das Bild von Soros als allgegenwartigem Feind wurde zu einem erheblichen Teil von politischen Strategen geschaffen. Im Jahr 2019 veroffentlichten Schweizer Journalisten eine Untersuchung, der zufolge die amerikanischen Berater George Birnbaum und Arthur Finkelstein bereits 2008 mit der Formung dieses Bildes begonnen hatten, als sie fur Viktor Orban arbeiteten.

Nach Birnbaums Darstellung kam Finkelstein 2013 zu dem Schluss, dass die ungarische Regierung einen konkreten „Puppenspieler“ benotige, dem die Steuerung der Migration, der Opposition, liberaler Organisationen und des ausseren Drucks zugeschrieben werden konnte. Soros eignete sich fur diese Rolle: Er war in Ungarn geboren, verfugte uber ein gewaltiges Vermogen und finanzierte offen politisch sensible Vorhaben.

Seit 2013 fuhrten regierungsnahe ungarische Medien eine systematische Kampagne gegen den Finanzier. Im Jahr 2015 wurde ihm vor dem Hintergrund der Migrationskrise vorgeworfen, Ungarn schwachen und das Land mit Migranten fullen zu wollen. Den Hohepunkt bildete 2017 die Kampagne der Partei Fidesz, bei der sich die Kritik an Soros’ Tatigkeit mit antisemitischen Stereotypen vermischte.

Das bedeutet nicht, dass sein Netzwerk keine Kritik verdient. Es bedeutet lediglich, dass der personalisierte Feindkult die Analyse der Funktionsweise dieses Systems verdrangte. Orban erhielt eine mobilisierende Feindfigur, wahrend Soros die Moglichkeit bekam, Kritik an seinen Stiftungen als Ausdruck von Autoritarismus oder Antisemitismus darzustellen.

Die Herkunft des Finanziers hat mit der Bewertung seiner Tatigkeit nichts zu tun. Es geht nicht um seine ethnische Zugehorigkeit, sondern um das Ausmass des gesellschaftlich nicht rechenschaftspflichtigen Einflusses privaten Kapitals auf die staatliche Politik.

Vom Verbundeten der Republikaner zum Geldgeber der Demokraten

In den 1980er Jahren finanzierte Soros antikommunistische Krafte in Osteuropa. Damals entsprach seine Tatigkeit den Interessen Washingtons und genoss die Unterstutzung der politischen Klasse der Vereinigten Staaten, einschliesslich der Republikaner.

Die Situation veranderte sich in den 1990er Jahren, als er begann, Mittel in Programme zur Verringerung der durch Drogenkonsum verursachten Schaden zu investieren, die dem amerikanischen „Krieg gegen die Drogen“ widersprachen. Vor diesem Hintergrund beschuldigte der rechtsextreme Politiker Lyndon LaRouche Soros des Drogenhandels und der Vorbereitung internationaler Konflikte. Diese Behauptungen wurden nicht bestatigt, pragten jedoch die Sprache spaterer Verschworungserzahlungen.

Das Jahr 2004 wurde zum Wendepunkt. Soros begann, Kandidaten der Demokratischen Partei offen zu finanzieren, und erklarte den Kampf gegen George W. Bush zur zentralen politischen Aufgabe seines Lebens. Danach betrachteten ihn die Republikaner nicht langer als nutzlichen antikommunistischen Geldgeber, sondern als bedeutenden finanziellen Gegner.

Genau hier verlauft die Grenze zwischen Erfindung und berechtigter Kritik. Soros muss die Demokratische Partei nicht heimlich kontrollieren, um sie zu beeinflussen. Es genugt, erhebliche Mittel in Kandidaten, Stiftungen, Forschungsprojekte, gesellschaftliche Bewegungen und Medienstrukturen zu investieren, die die politische Tagesordnung pragen.

Im Jahr 2010 zeigte der Fernsehsender Fox den Film „Der Puppenspieler“, in dem Glenn Beck Soros als Milliardar darstellte, der heimlich die politischen Systeme verschiedener Lander untergrabe. Statt einer Untersuchung der Finanzhilfen, der Auswahlverfahren und der politischen Verbindungen wurde den Zuschauern das mystische Bild eines allmachtigen Finanziers prasentiert.

Spater wurde Soros beschuldigt, Migrantenkarawanen, die Pandemie und die Proteste der Bewegung „Schwarze Leben zahlen“ organisiert zu haben. Beweise fur diese Behauptungen wurden nicht vorgelegt. Strukturen von Soros finanzierten jedoch tatsachlich Organisationen, die mit Migranten, Menschenrechtskampagnen und Protestthemen arbeiteten.

Wahrend der Proteste des Jahres 2020 stieg die Zahl negativer Beitrage auf Twitter, in denen Soros erwahnt wurde, nach Angaben der Antidiffamierungsliga von etwa 20.000 auf mehr als 500.000 pro Tag. Sein Familienname wurde zu einer universellen Erklarung fur komplexe Krisen.

Die Vielzahl der Erfindungen andert jedoch nichts daran, dass die Soros-Stiftungen enorme Summen in Organisationen investieren, die an gesellschaftlichen und politischen Konflikten beteiligt sind. Eine ernsthafte Analyse muss nachweisbare Einflussmechanismen von Mythologie trennen.

Der „Puppenspieler“ des amerikanischen Fernsehens

Im Jahr 2010 zeigte der Fernsehsender Fox den Film „Der Puppenspieler“. Der Moderator Glenn Beck stellte Soros als einen der breiten Offentlichkeit kaum bekannten Milliardar dar, der uber die Stiftung fur eine offene Gesellschaft angeblich heimlich die politischen und wirtschaftlichen Systeme verschiedener Staaten untergrabe.

In der Sendung wurden Marionettenbilder, dramatische Musik und bildliche Gestaltungsmittel eingesetzt, die den Eindruck einer allumfassenden Verschworung erzeugen sollten.

Der Hauptmangel des Films bestand jedoch nicht darin, die Frage nach Soros’ Einfluss aufzuwerfen, sondern in dem Versuch, die Analyse durch theatralische Damonisierung zu ersetzen. Anstelle einer Untersuchung der Finanzhilfen, der politischen Verbindungen, der Auswahlmechanismen fur Empfanger und der Ergebnisse der Programme wurde den Zuschauern ein nahezu mystisches Bild eines allmachtigen Finanziers geboten.

Im Jahr 2018 verbreiteten sich nach Donald Trumps Machtantritt in amerikanischen rechten Kreisen Behauptungen, Soros finanziere „Migrantenkarawanen“ aus Lateinamerika. Trump erklarte, es wurde ihn nicht uberraschen, wenn der Finanzier tatsachlich hinter diesen Wanderungsbewegungen stunde.

Beweise fur eine unmittelbare Organisation der Karawanen wurden nicht vorgelegt. Der politische Nahrboden fur solche Vorwurfe war jedoch vorhanden: Soros’ Strukturen finanzierten tatsachlich Organisationen, die sich mit Migranten, Fluchtlingsrechten und der Liberalisierung der Migrationspolitik befassten.

Im offentlichen Bewusstsein verschwand der Unterschied zwischen der Finanzierung einschlagiger Nichtregierungsorganisationen und der unmittelbaren Organisation von Migrationsstromen rasch.

Warum gerade Soros

Das Bild von Soros erwies sich als besonders bestandig, weil es zwei alte Modelle politischer Verschworungserzahlungen miteinander verband.

Das erste ist mit den Rothschilds verknupft. Im 19. Jahrhundert gehorte diese judische Bankiersdynastie zu den Wegbereitern grenzuberschreitender Finanzgeschafte. Ihre Vertreter eroffneten Niederlassungen in verschiedenen europaischen Landern, finanzierten Staatsschulden, beteiligten sich am Bau von Eisenbahnen und anderer Infrastruktur, betrieben Wohltatigkeit und erwarben Land fur judische Familien in Palastina.

Der tatsachliche Reichtum der Rothschilds wurde allmahlich von Mythen uber die Kontrolle von Kriegen, Borsen, Regierungen und des gesamten Weltfinanzsystems umrankt. Behauptungen, die Familie kontrolliere das Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten oder die Weltfinanzen, wurden wiederholt widerlegt.

Das zweite Modell entstand rund um die Rockefellers. Sie waren keine Juden, weshalb diese Verschworungsvorstellung ursprunglich keinen antisemitischen Charakter hatte.

Mit der Grundung der Standard-Olgesellschaft konzentrierten die Rockefellers tatsachlich enorme wirtschaftliche Macht. Gleichzeitig errichteten sie die gemeinnutzige Rockefeller-Stiftung, die wissenschaftliche, medizinische und soziale Vorhaben finanzierte.

Berechtigte Kritik an der Monopolisierung des Kapitals wurde von Rechtsextremen schrittweise in eine Theorie verwandelt, wonach die Rockefellers angeblich das amerikanische Bildungswesen, die Medizin, die Aussenpolitik, die Vereinten Nationen und das Vorhaben einer „Weltregierung“ kontrollierten.

Spater verschmolzen beide Mythen zum Konzept der „Neuen Weltordnung“: Eine abgeschottete Elite kontrolliere angeblich die Staaten mithilfe von Banken, Stiftungen, internationalen Organisationen, Medien und Nichtregierungsorganisationen.

Soros wurde zu einem geeigneten Symbol dieser Konstruktion. Wie die Rothschilds ist er ein erfolgreicher Finanzier judischer Herkunft. Wie die Rockefellers schuf er ein weltweites Netzwerk aus Stiftungen und Sozialprogrammen. Zugleich finanziert Soros offen politisch sensible liberale Vorhaben, wodurch seine Gegner standig neue Argumente erhalten.

Die Herkunft des Finanziers hat jedoch keinerlei Bedeutung fur die Bewertung seiner Tatigkeit. Die Frage darf nicht in Soros’ ethnischer Zugehorigkeit bestehen, sondern muss sich auf das Ausmass des gesellschaftlich nicht rechenschaftspflichtigen Einflusses privaten Kapitals auf die staatliche Politik richten.

Das Finanzimperium der „offenen Gesellschaft“

Das wichtigste Einflussinstrument von Soros sind die Stiftungen fur eine offene Gesellschaft. Die Organisation veroffentlicht Finanzberichte, Programmverzeichnisse und Angaben zu den Empfangern von Finanzhilfen. Doch die Transparenz der Ausgaben beantwortet nicht die entscheidende Frage: Wer hat einem privaten Milliardar das Recht verliehen, zu bestimmen, welche politischen Ideen und Gesellschaftsmodelle in fremden Landern bevorzugt werden sollen?

Seit 1984 ubertrug Soros rund 32 Milliarden Dollar seines Privatvermogens an seine Stiftungen. Bis 2024 wurden 24,2 Milliarden Dollar ausgegeben, darunter allein im Jahr 2024 etwa 1,2 Milliarden.

Nach Schatzungen der Organisation fur wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gaben Soros’ Strukturen im Jahr 2023 insgesamt 590,3 Millionen Dollar aus. Davon flossen 441,4 Millionen an Organisationen, die im Bereich der Zivilgesellschaft tatig waren. Rund 35 Prozent der Mittel wurden als flexible Grundfinanzierung vergeben, weitere 39 Prozent fur konkrete Vorhaben.

Flexible Finanzierung ist von besonderer Bedeutung. Sie ermoglicht es, nicht nur einzelne Programme, sondern auch den Verwaltungsapparat, Gehalter, Kommunikation, juristische Betreuung und den Ausbau des Netzwerks zu finanzieren. Auf diese Weise entsteht kein einmaliges Vorhaben, sondern eine langfristige Infrastruktur des Einflusses.

Die Stiftungen unterstutzen Bildung, Sozialprogramme, Medien, Antikorruptionsstrukturen, Wahlbeobachtung, juristische Kampagnen und Menschenrechtsorganisationen. Unter den Empfangern oder Partnern wurden die Organisation fur Menschenrechtsbeobachtung und Internationale Amnestie genannt.

Der Erhalt einer Finanzhilfe beweist fur sich genommen keine unmittelbare Steuerung einer Organisation. Der Geldgeber bestimmt jedoch die Prioritaten, die Themen der Vorhaben, die Auswahlkriterien und die politische Sprache, die die Chancen auf eine Finanzierung erhoht. Er muss keine direkten Befehle erteilen. Es genugt, einen Markt zu schaffen, auf dem bestimmte Ideen Mittel erhalten, wahrend andere systematisch ohne Unterstutzung bleiben.

Bildung als Investition in kunftige Eliten

Soros’ philanthropische Tatigkeit begann 1979 mit Stipendien fur schwarze Studierende in Kapstadt. Innerhalb von drei Jahrzehnten erreichten die Programme mehr als 20.000 Menschen. Eine Prufung aus dem Jahr 2023 bestatigte, dass sie den Zugang zur Bildung erweiterten, stellte jedoch keine erkennbare Wirkung auf die Demokratisierung der Gesellschaft fest.

Zu den grossten Vorhaben gehorte die Mitteleuropaische Universitat. Ihr Hauptsitz befindet sich in Wien, und sie zahlt rund 1.500 Studierende aus verschiedenen Landern. Das Vorschulbildungsprogramm „Schritt fur Schritt“ vereint etwa 80 Organisationen in 40 Staaten.

Universitaten und Bildungsprogramme bilden nicht nur Fachkrafte aus, sondern auch kunftige Beamte, Journalisten, Forscher, Politiker und Leiter von Nichtregierungsorganisationen. Bildungsfinanzierung ist daher mit der Herausbildung von Eliten, Wertvorstellungen und intellektuellen Tagesordnungen verbunden.

Soros’ Strukturen beteiligten sich nach der Belagerung Sarajevos am Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur, finanzierten Forschungsarbeiten wahrend der Pandemie der Coronaviruskrankheit und stellten der Ukraine nach Beginn der umfassenden russischen Invasion 25 Millionen Dollar zur Verfugung.

Eine solche Hilfe lost tatsachliche humanitare Aufgaben. Gleichzeitig schafft sie politisches Kapital und ermoglicht einer privaten Stiftung, an der Entscheidung daruber mitzuwirken, welche Organisationen als Vertreter der Zivilgesellschaft anerkannt werden. Humanitare Mission und politischer Einfluss konnen gleichzeitig wirken.

Von den Wahrungsmarkten zu den politischen Systemen

Soros’ Methode lasst sich ohne seine finanzielle Biografie nicht verstehen. Sein Vermogen entstand aus der Fahigkeit, die Schwachstelle eines Systems zu finden, eine Position gegen dieses System einzunehmen und abzuwarten, bis innere Widerspruche zu dessen Zusammenbruch fuhren.

Am 16. September 1992, dem britischen „Schwarzen Mittwoch“, setzte Soros’ Fonds in grossem Umfang gegen das Pfund Sterling. London erhohte die Zinssatze und verbrauchte Wahrungsreserven, verliess letztlich jedoch den europaischen Wechselkursmechanismus. Soros’ Gewinn wurde auf rund eine Milliarde Dollar geschatzt.

Franzosische Gerichte befanden ihn ausserdem fur schuldig, bei Geschaften mit Aktien der Bank Societe Generale im Jahr 1988 Insiderinformationen genutzt zu haben. Der Europaische Gerichtshof fur Menschenrechte stellte 2011 bei dem franzosischen Urteil keine Verletzung seiner Rechte fest.

Der Ubergang von Wahrungsspekulationen zur politischen Philanthropie bedeutete keinen Verzicht auf die fruhere Logik. Lediglich der Gegenstand der Operation veranderte sich. An die Stelle einer uberbewerteten Wahrung trat ein politisches System. An die Stelle des finanziellen Hebels trat ein Netzwerk von Finanzhilfen. An die Stelle einer spekulativen Position trat eine Koalition aus Nichtregierungsorganisationen, Medien, Juristen und internationalen Interessenvertretern. An die Stelle eines Kurssturzes trat eine Legitimitatskrise.

Ein privates Aussenministerium

Die Leitung des Netzwerks ging auf Alex Soros, den Sohn des Finanziers und Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Stiftungen fur eine offene Gesellschaft, uber. Prasidentin der Organisation ist Binaifer Nowrojee. Der Ruckzug des Grunders aus der taglichen Leitung beseitigte das System nicht: Die Kontrolle wurde dynastisch weitergegeben.

Am 20. Mai 2026 kundigte die Stiftung in den Vereinigten Staaten ein neues Funfjahresprogramm im Umfang von 300 Millionen Dollar an. Bereits 2026 wurden 20 Millionen Dollar an Organisationen vergeben, die sich mit strategischer Prozessfuhrung, dem Schutz des gemeinnutzigen Bereichs und der Untersuchung von Korruption befassen.

Eine solche Struktur kann Gerichtsverfahren in einem Land, Medien in einem zweiten, Beobachter in einem dritten und Forschungszentren in einem vierten finanzieren und anschliessend ihre Vertretungen in Washington und Brussel nutzen, um die Berichte der Finanzhilfeempfanger in politische Forderungen an nationale Regierungen umzuwandeln.

In seinem Bericht fur 2004 erklarte der Fonds ausdrucklich, dass seine Vertretungen in Brussel und Washington politische Interessenvertretung betrieben. In Bezug auf Aserbaidschan, Georgien, die Ukraine, Moldau, Belarus und Armenien setzte sich die Struktur dafur ein, Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Regierungsfuhrung und der Menschenrechte in die Politik der Europaischen Union aufzunehmen. Die amerikanische Abteilung bewegte die Regierung der Vereinigten Staaten dazu, diese Linie zu unterstutzen.

So entstand ein geschlossener Kreislauf. Die Stiftung finanzierte ortliche Organisationen. Diese erstellten Untersuchungen und Vorwurfe. Internationale Abteilungen ubermittelten die Unterlagen an westliche Regierungen. Anschliessend kehrten Erklarungen aus Washington und Brussel als aussere Bestatigung der Position derselben Finanzhilfeempfanger in das jeweilige Land zuruck.

Dies beweist keine rechtswidrige Verschworung, zeigt jedoch das Vorhandensein eines vertikal integrierten Systems politischen Einflusses, in dem privates Kapital gleichzeitig lokalen Aktivismus, die mediale Tagesordnung und internationalen Druck formt.

Eine Farbenrevolution beginnt vor dem Aufbau der Zelte

Eine Revolution beginnt nur selten an dem Tag, an dem Demonstranten auf einen Platz ziehen. Zu diesem Zeitpunkt mussen bereits bekannte Fuhrungspersonen, geschulte Aktivisten, Medienmittel, Beobachternetzwerke, Juristen, Soziologen, Kontakte zu Diplomaten und die Moglichkeit vorhanden sein, einen innerstaatlichen Konflikt rasch einem weltweiten Publikum zu prasentieren.

Die georgische „Rosenrevolution“ von 2003 wurde zu einem beispielhaften Modell. Soros’ Stiftung finanzierte zivilgesellschaftliche, mediale und wahlbeobachtende Vorhaben, die eine alternative Bewertung der Parlamentswahl ermoglichten.

Aktivisten der serbischen Bewegung Otpor vermittelten der georgischen Organisation Kmara ihre Erfahrungen mit gewaltfreier Mobilisierung. Akademischen Untersuchungen zufolge schulten serbische Ausbilder mehr als tausend georgische Studierende in Methoden des Protesthandelns.

Die Georgische Stiftung fur eine offene Gesellschaft unterstutzte soziologische Untersuchungen, Debatten, die Berichterstattung uber den Wahlkampf und Wahlnachbefragungen. Alternative Befragungen wurden als Beleg fur Wahlfalschungen verwendet. Die Medien formten die Erzahlung von der Illegitimitat der Staatsmacht, Protestorganisationen sorgten fur die Mobilisierung auf der Strasse, und westliche Strukturen erzeugten diplomatischen Druck.

Die auslandische Stiftung schuf weder die Korruption noch die wirtschaftlichen Probleme oder die Unzufriedenheit mit der Herrschaft Eduard Schewardnadses. Sie half jedoch dabei, verstreuten Unmut in eine organisierte politische Kraft zu verwandeln.

Die Finanzierung eines einzelnen Journalisten bedeutet nicht, dass ein Umsturz vorbereitet wird. Die gleichzeitige Unterstutzung von Journalisten, Beobachtern, Aktivisten, Soziologen, Juristen und auslandischen Interessenvertretern schafft jedoch eine geschlossene Infrastruktur zur Veranderung des politischen Kraftegleichgewichts.

Aserbaidschan als nachstes Ziel

Nach Georgien und der Ukraine verlagerte sich die Aufmerksamkeit westlicher Stiftungen auf Aserbaidschan. Mitte der 2000er Jahre besass das Land eine strategische Lage zwischen Russland, Iran und der Turkei, umfangreiche Energieressourcen, die Erdolleitung Baku–Tiflis–Ceyhan, einen ungelosten Konflikt um Karabach und ein junges System staatlicher Institutionen.

Die Prasidentschaftswahl vom 15. Oktober 2003 endete mit einem vollstandigen Sieg des heutigen Prasidenten Ilham Aliyev. Auslandische Strukturen schufen bereits einen Mechanismus, der die Wahlbeobachtung koordinieren, Bewertungen formulieren und diese auf die internationale Ebene ubertragen sollte.

Der Bericht des Soros-Netzwerks fur 2003 zeigt, dass die Aserbaidschanische Hilfsstiftung des Instituts fur eine offene Gesellschaft mit 30 Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitete, die die Anwendung des Wahlrechts, den Verlauf des Wahlkampfes und die Abstimmung uberwachten.

Nach der Wahl erstellten die Stiftung und eine Koalition von Nichtregierungsorganisationen einen gemeinsamen Bericht. In demselben Dokument wurde uber die Grundung eines Zentrums zur Uberwachung der offentlichen Finanzen sowie uber die Entwicklung unabhangiger Medien, juristischer Dienstleistungen, der kommunalen Selbstverwaltung und der Informationsinfrastruktur berichtet.

Die Ausgaben der aserbaidschanischen Abteilung der Stiftung beliefen sich 2003 auf 3,323 Millionen Dollar. Fur einen vergleichsweise kleinen Bereich aus Nichtregierungsorganisationen, Medien, Wahlbeobachtung und fachlicher Analyse war dies eine erhebliche Summe.

Bis 2006 stiegen die Ausgaben der Aserbaidschanischen Hilfsstiftung des Instituts fur eine offene Gesellschaft auf 4,049 Millionen Dollar. Davon wurden 775.000 Dollar fur die Zivilgesellschaft, 259.000 fur Informationsprogramme, 206.000 fur Medien, 151.000 fur den Rechtsbereich, 270.000 fur staatliche Regierungsfuhrung sowie 122.000 fur Transparenz und Rechenschaftspflicht bereitgestellt.

Von der Gesamtsumme stammten 949.679 Dollar von externen Geldgebern. Zusatzlich vergaben andere Strukturen des Soros-Netzwerks in Aserbaidschan Finanzhilfen in Hohe von 1,793 Millionen Dollar, vor allem fur Bildung, staatliche Regierungsfuhrung und Menschenrechte.

Finanziert wurde keine einheitliche Oppositionszentrale, sondern ein Umfeld, in dem Fachkrafte, internationale Kontakte, Informationsmittel und alternative Zentren zur Bewertung der staatlichen Politik entstanden. Gerade dieses Modell war langlebiger und wirksamer als die direkte Unterstutzung einer einzelnen Partei.

Erdöl als politischer Hebel

Einer der zentralen Schwerpunkte der Tätigkeit von Soros in Aserbaidschan war die Kontrolle über die Erdöleinnahmen. Im Jahr 2004 berichtete das Netzwerk, es habe in Aserbaidschan und Kasachstan Zusammenschlüsse von Nichtregierungsorganisationen gegründet, die die Offenlegung von Informationen über die Einnahmen aus Erdöl und Erdgas forderten.

Die öffentliche Kontrolle des Staatshaushalts ist notwendig. In einem Erdölland bildet der Haushalt jedoch die Grundlage der politischen Souveränität. Wer die Möglichkeit erhält, darüber zu urteilen, wie legitim der Staat über seine Energieressourcen verfügt, gewinnt ein Instrument zur Bewertung des gesamten Herrschaftssystems.

Die Stiftung finanzierte gleichzeitig örtliche Beobachter, Haushaltsexperten und internationale Interessenvertretung. Die in Baku erarbeiteten Schlussfolgerungen konnten in Brüssel und Washington bei der Erörterung der Beziehungen zu Aserbaidschan verwendet werden. Die Auseinandersetzung um Transparenz verwandelte sich in ein Instrument außenpolitischen Drucks.

Das Problem bestand nicht in der öffentlichen Kontrolle, sondern darin, dass sie von Strukturen monopolisiert wurde, die mit einem ausländischen Zentrum verbunden waren. Unabhängigkeit von der Regierung bedeutet noch lange keine vollständige Unabhängigkeit. Eine Nichtregierungsorganisation, die von den Mitteln einer ausländischen Stiftung lebt, ist vom Geldgeber, von dessen Prioritäten und von dessen Entscheidung über die Verlängerung der Finanzierung abhängig.

2005: Soros diktiert offen die Bedingungen

Am 22. September 2005, wenige Wochen vor der Parlamentswahl, veröffentlichte George Soros in der „Finanzzeitung“ einen Beitrag über Aserbaidschan. Darin verglich er das Land mit Georgien, der Ukraine und Kirgisistan, wo Massenproteste zu einem Machtwechsel geführt hatten.

Formell warnte Soros vor einem revolutionären Szenario. Tatsächlich war der Text um die Drohung einer Wiederholung dieses Szenarios aufgebaut. Er forderte, ausländische Finanzierungen für einheimische Beobachter zuzulassen, Protesten größere Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen und die Arbeitsbedingungen der Medien zu verändern.

Soros räumte außerdem ein, dass seine Stiftung versucht hatte, aserbaidschanische Nichtregierungsorganisationen über eine besondere Internetseite zusammenzuführen, um ihre Tätigkeit im Zusammenhang mit den Wahlen zu koordinieren. Seinen Angaben zufolge bestanden im Land mehr als ein Dutzend Zusammenschlüsse der Zivilgesellschaft, die um die Finanzierung wahlbezogener Vorhaben konkurrierten.

Anschließend rief er die Vereinigten Staaten und die Europäische Union dazu auf, Baku eine scharfe Warnung zu übermitteln und den Behörden nicht zu gestatten, wie er es ausdrückte, Stimmen zu stehlen.

Dies lässt sich nur schwer als neutrale Wohltätigkeit bezeichnen. Ein ausländischer Milliardär finanzierte Beobachter, half ihnen bei der Koordinierung ihrer Tätigkeit, formulierte öffentlich Forderungen an die Regierung Aserbaidschans und rief westliche Hauptstädte dazu auf, den Druck zu verstärken.

Aserbaidschan geriet in den Mittelpunkt eines Szenarios, das bereits in Georgien und der Ukraine erprobt worden war: umstrittene Wahlen, alternative Beobachter, Wählernachbefragungen, oppositionelle Zusammenschlüsse, äußerer Druck und die Erwartung von Massenprotesten.

War Soros der Organisator eines Umsturzes?

Die öffentlich zugänglichen Unterlagen bieten keine Grundlage für die Behauptung, George Soros habe persönlich einen Plan zur gewaltsamen Machtergreifung in Aserbaidschan ausgearbeitet, die Anführer eines Umsturzes bestimmt oder Befehle zu Angriffen auf staatliche Einrichtungen erteilt. Solche Behauptungen wären ohne Beweise journalistisch unzulässig.

Das Fehlen eines Dokuments mit der Überschrift „Umsturzplan“ bedeutet jedoch nicht, dass keine politische Infrastruktur vorhanden war.

Die Strukturen von Soros finanzierten Beobachter und führten sie zusammen, investierten Mittel in Medien, juristische Organisationen, Jugendvorhaben und Forschungszentren und beschäftigten sich mit dem Wahlrecht, dem Staatshaushalt, den Erdöleinnahmen und der internationalen Einbindung. Zudem unterstützten sie die politische Interessenvertretung in Brüssel und Washington.

Soros selbst stellte öffentlich einen Zusammenhang zwischen den aserbaidschanischen Wahlen und der „Gefahr eines revolutionären Szenarios“ her und rief westliche Staaten dazu auf, Druck auf Baku auszuüben.

Höchstwahrscheinlich bestand das Ziel nicht zwingend darin, die Regierung an einem bestimmten Tag gewaltsam zu stürzen, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem der Staat unter der Drohung einer Mobilisierung auf der Straße, internationaler Isolierung und eines Ansehensverlustes zu Entscheidungen gezwungen werden konnte.

Unter der „Vorbereitung einer Revolution“ ist daher nicht die heimliche Lagerung von Waffen zu verstehen, sondern die Schaffung eines Gefüges steuerbaren politischen Drucks. Ein solches System kann jahrelang unter dem Deckmantel der Zivilgesellschaft tätig sein und in einem kritischen Augenblick in einen Mobilisierungszustand übergehen.

Warum Baku das Soros-Fenster schloss

Im Jahr 2010 beschränkte die Stiftung die Tätigkeit ihres Büros in Baku auf technische Aufgaben. Am 11. Dezember 2014 stellte sie dessen Arbeit offiziell ein.

Im Jahr 2015 erklärten die Stiftungen für eine offene Gesellschaft, die aserbaidschanischen Behörden hätten das Konto der örtlichen Stiftung eingefroren, Rechner beschlagnahmt und ehemalige Mitarbeiter verhört. Die Organisation stellte das Vorgehen Bakus als Angriff auf die Zivilgesellschaft dar.

Aus der Sicht Bakus wurde dagegen die Tätigkeit eines Netzwerks beendet, das unter dem Deckmantel von Finanzhilfen Zentren ausländischen Einflusses innerhalb des nationalen politischen Systems geschaffen hatte.

Das frühere Modell ermöglichte es ausländischen Geldgebern, politisch sensible Bereiche zu finanzieren, ohne gegenüber der aserbaidschanischen Gesellschaft umfassend verantwortlich zu sein.

Das Problem bestand nicht in der Existenz einer Zivilgesellschaft, sondern in ihrer finanziellen Architektur. Der gesellschaftliche Bereich kann nicht als vollständig unabhängig gelten, wenn seine wichtigsten Organisationen von einer Stiftung abhängen, die Tausende Kilometer entfernt ihren Sitz hat und ausländische Regierungen öffentlich dazu auffordert, auf Baku einzuwirken.

Das Paradox der offenen Gesellschaft

Das Soros-Netzwerk erklärt, gegen die Konzentration von Macht zu kämpfen, ist jedoch selbst ein Erzeugnis äußerster Konzentration privaten Kapitals. Es fordert Transparenz von Staaten, während seine strategischen Entscheidungen von einer kleinen Gruppe nicht gewählter Verwalter getroffen werden. Es wendet sich gegen erbliche Politik, doch die Kontrolle über eine milliardenschwere Struktur wurde vom Vater auf den Sohn übertragen.

Eine private Stiftung verfügt über kein demokratisches Mandat. Niemand hat George Soros zum Vertreter der Völker Osteuropas, des Kaukasus oder Zentralasiens gewählt. Alex Soros erhielt die Leitung nicht durch öffentliche Wahlen, sondern durch Erbschaft. Dennoch beansprucht diese Struktur das Recht, die Legitimität von Regierungen zu bewerten, die Gesetzgebung zu beeinflussen und zu bestimmen, welche politischen Kräfte Unterstützung verdienen.

Soros verwandelte sein Finanzvermögen in die Möglichkeit, in die politische Entwicklung anderer Länder einzugreifen. Er finanzierte Menschen, die bestimmte Ideen verkörpern sollten, Organisationen, die diese Ideen in Forderungen verwandelten, Medien, die das entsprechende Weltbild verbreiteten, und Interessenvertreter, die äußeren Druck auf nicht einverstandene Regierungen durchzusetzen versuchten.

Das System überdauerte seinen Gründer

Zunächst finanziert das Netzwerk die Infrastruktur: Universitäten, Forschungen, Bibliotheken, Austauschprogramme, das Weltnetz und das fachliche Umfeld. Anschließend bildet sich um diese Infrastruktur eine Gemeinschaft von Menschen und Organisationen, die bestimmte Vorstellungen vom Staat, von den Menschenrechten, von den Grenzen der Souveränität und von den internationalen Beziehungen teilen.

Soros schuf keine geheime Weltregierung. Er brauchte sie nicht. Er errichtete ein öffentliches, weitverzweigtes und gut finanziertes Einflusssystem, das durch Finanzhilfen, Bildung, Forschungsstrukturen, juristische Mechanismen, Medien und gesellschaftliche Organisationen wirkt.

Dieses System kontrolliert nicht jeden Empfänger seiner Mittel und ist nicht in der Lage, allein Revolutionen oder Massenproteste zu organisieren. Es kann jedoch Personal heranbilden, politische Bewegungen unterstützen, die Themen der öffentlichen Diskussion bestimmen und Netzwerke schaffen, die einzelne Regierungen überdauern.

Wenn ein Staat einen solchen Einfluss im Ausland ausübt, wird dies als Außenpolitik, weiche Macht oder Einmischung bezeichnet. Wenn ein Milliardär dasselbe tut, wird seine Tätigkeit häufig ausschließlich als Philanthropie dargestellt.

Doch Dutzende Milliarden Dollar, die für die Veränderung des gesellschaftlichen und politischen Umfelds anderer Staaten eingesetzt werden, hören nicht allein deshalb auf, ein Machtinstrument zu sein, weil sie über eine private Stiftung verteilt werden.

Eine ernsthafte Kritik an Soros darf sich nicht auf Antisemitismus, geheime Verschwörungen oder Erzählungen von einem allmächtigen „Puppenspieler“ stützen. Die tatsächlichen Fakten genügen.

Der von ihm geschaffene Mechanismus wurde nicht abgebaut. Er wurde einem Erben übertragen, neu geordnet und erhält neue Mittel. Soros schuf ein Modell, das es einem Milliardär ermöglicht, eine eigene Außenpolitik zu betreiben, grenzüberschreitende Netzwerke zu bilden und in die institutionelle Entwicklung von Staaten einzugreifen, ohne eine Verantwortung zu tragen, die dem Umfang seines Einflusses entspricht.

Aserbaidschan war eines der Versuchsfelder dieses Modells. Hier flossen Gelder in die Wahlbeobachtung, die Medien, zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse, Jugendprogramme, juristische Strukturen, die Kontrolle der Erdöleinnahmen und die internationale Interessenvertretung.

Dies beweist nicht die Existenz einer einheitlichen geheimen Umsturzzentrale. Es zeugt jedoch von einem systematischen Versuch, innerhalb eines souveränen Staates eine parallele Infrastruktur politischer Legitimität aufzubauen, die von außen finanziert und gelenkt wurde.

Das Soros-Imperium ist nicht deshalb gefährlich, weil sein Gründer allmächtig wäre. Es ist gefährlich, weil privates Geld darin in ein Instrument geopolitischer Macht verwandelt und Einmischung als Wohltätigkeit bezeichnet wird.

Vor einer bewaffneten Invasion kann ein Staat durch seine Armee geschützt werden. Vor einer politischen Invasion, die sich in Finanzierungsverträgen, Fachberichten und Programmen der Zivilgesellschaft verbirgt, schützen ihn institutionelle Reife, finanzielle Transparenz und die Fähigkeit, eine unabhängige gesellschaftliche Initiative von einer fremden politischen Investition zu unterscheiden.

Soros schuf keine geheime Weltregierung. Er brauchte sie auch nicht.

Er errichtete ein öffentliches, weitverzweigtes und gut finanziertes Einflusssystem, das durch Finanzhilfen, Bildung, Forschungsstrukturen, juristische Mechanismen, Medien und gesellschaftliche Organisationen wirkt.

Dieses System kontrolliert nicht jeden Empfänger seiner Mittel und kann nicht im Alleingang Revolutionen, Kriege oder Massenproteste organisieren. Es ist jedoch in der Lage, Personal heranzubilden, politische Bewegungen zu unterstützen, die Themen der öffentlichen Diskussion zu bestimmen und institutionelle Netzwerke zu schaffen, die einzelne Regierungen überdauern.

Darin liegt die größte Gefahr des Soros-Modells.

Wenn ein Staat versucht, im Ausland einen vergleichbaren Einfluss auszuüben, wird dies als Außenpolitik, weiche Macht oder Einmischung bezeichnet. Wenn ein Milliardär dasselbe tut, wird seine Tätigkeit häufig ausschließlich als Philanthropie dargestellt.

Doch Dutzende Milliarden Dollar, die für die Veränderung des gesellschaftlichen und politischen Umfelds anderer Staaten eingesetzt werden, hören nicht allein deshalb auf, ein Machtinstrument zu sein, weil sie über eine private Stiftung verteilt werden.

Eine ernsthafte Kritik an Soros darf sich daher nicht auf Antisemitismus, erfundene geheime Verschwörungen oder Erzählungen von einem allmächtigen „Puppenspieler“ stützen. Solche Anschuldigungen bringen lediglich das Thema selbst in Misskredit.

Die tatsächlichen Fakten genügen.

George Soros schuf eine weltweite finanzielle Infrastruktur, die es einer Privatperson ermöglicht, auf die Bildung, die Politik, die Gesetzgebung, die Medien, gesellschaftliche Bewegungen und das Wertesystem ganzer Länder einzuwirken.

Und das ist erheblich schwerwiegender als jede verschwörungstheoretische Legende.