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US-Präsident Trump attackiert die amerikanischen Medien nicht, weil er Kritik schlichtweg ablehnt, sich von Journalisten gekränkt fühlt oder aus einer momentanen Laune heraus handelt. Eine solche Erklärung ist zu simpel, beinahe banal. Sie ist für seine Gegner bequem, da sie den gesamten Konflikt auf die psychologischen Besonderheiten einer einzelnen Person reduziert. Doch die Realität ist wesentlich komplexer.

Trumps Krieg gegen die Medien ist kein emotionaler Ausbruch. Es ist eine systematische politische Technologie. Sie umfasst Ideologie, wahlstrategisches Kalkül, Geschäftssinn, juristischen Druck, administrative Ressourcen, Medienmanagement, den Kampf um Aufmerksamkeit und ein tiefes Verständnis der neuen Aufmerksamkeitsökonomie.

Trump schmäht nicht einfach CNN, MSNBC, The New York Times, The Washington Post, ABC, CBS, NBC, NPR oder PBS. Er führt einen Krieg gegen sie um das Recht zu definieren, was als Fakt gilt, was als Skandal, was als Bedrohung, was als Norm und wer überhaupt das moralische Recht besitzt, Amerika Amerika zu erklären.

Für den externen, nicht-amerikanischen Beobachter ist eines entscheidend: Der Konflikt zwischen Trump und der Presse lässt sich nicht auf die banale Formel „Politiker gegen Journalisten“ reduzieren. Es handelt sich um den Zusammenstoß zweier Machtzentren. Auf der einen Seite steht die alte liberale Medienklasse, die jahrzehntelang die Sprache der amerikanischen Öffentlichkeit kontrollierte. Auf der anderen Seite steht ein populistischer Anführer, der erkannt hat, dass in der Ära von sozialen Netzwerken, Podcasts, Influencern und der Polarisierung durch Plattformen die klassischen Redaktionen nicht mehr die einzigen Torwächter zum Massenbewusstsein sind.

Trump verlangt nicht von den Medien, gerecht zu sein. Er versucht, ihnen den Status des obersten Schiedsrichters zu entziehen.

Fake News als politische Massenvernichtungswaffe

Wenn Trump von „Fake News“ spricht, beschuldigt er nicht bloß eine bestimmte Redaktion eines Fehlers. Er zerstört die Präsumtion des Vertrauens in die Medieninstitution als Ganzes. In einem klassischen liberalen Modell ist die Presse die „vierte Gewalt“, ein Mechanismus zur Kontrolle des Staates, ein Instrument der gesellschaftlichen Aufsicht. In Trumps Logik ist die Mainstreampresse kein Kontrolleur der Macht, sondern ein eigenständiger politischer Akteur, der fest in das liberale Establishment integriert ist.

Daraus resultiert sein ständiges Vokabular: „corrupt media“, „dishonest press“, „enemy of the people“, „fake news“. Das sind keine zufälligen Beleidigungen, sondern die Markierung des Feindes. Er will seiner Anhängerschaft nicht jedes Mal beweisen, dass ein bestimmter Bericht von CNN oder The New York Times einen Fehler enthält. Sein Ziel ist umfassender: Er will seine Unterstützer davon überzeugen, dass das gesamte Medienumfeld von Grund auf feindselig, politisch aufgeladen und moralisch kompromittiert ist.

Das nennt man Immunisierung des Publikums. Wenn ein Wähler bereits im Voraus davon überzeugt ist, dass die großen Medien lügen, wird eine neue Veröffentlichung gegen Trump nicht als Enthüllung wahrgenommen, sondern als ein weiterer Akt im Krieg des Systems gegen den Anführer. Die Kritik verliert ihre Wirkung. Sie schwächt Trump innerhalb seiner Basis nicht, sondern stärkt ihn oft sogar noch.

Die Logik ist einfach: Wenn „sie“ ihn wieder angreifen, bedeutet das, dass er wieder etwas richtig macht.

Amerika glaubt seinen Zeitungen nicht mehr

Trump hat die Vertrauenskrise in die amerikanischen Medien nicht geschaffen. Er hat sie sich zunutze gemacht.

Nach Daten von Gallup sank das Vertrauen der Amerikaner in Zeitungen, Fernsehen und Radio im Jahr 2025 auf ein historisches Tief – nur 28 Prozent gaben an, den Medien in „erheblichem“ oder „ausreichendem“ Maße zu vertrauen. Etwa sieben von zehn Amerikanern erklärten, dass sie den Medien wenig oder gar nicht vertrauen. Für ein Land, in dem Pressefreiheit über Jahrzehnte als eine der Säulen der nationalen Identität galt, ist dies nicht bloß eine soziologische Statistik. Es ist ein institutioneller Zusammenbruch.

Besonders bedeutsam ist die parteipolitische Kluft. Bei den Demokraten bleibt das Vertrauen in große Redaktionen deutlich höher. Bei den Republikanern ist es beinahe bis auf das Niveau politischer Verachtung abgestürzt. Pew Research zeigte 2025, dass Demokraten viel häufiger Quellen wie CNN, MSNBC, NPR, PBS, ABC, CBS, NBC und The New York Times vertrauen. Republikaner orientieren sich hingegen häufiger an Fox News, The Joe Rogan Experience, Newsmax, The Daily Wire, Tucker Carlson Network, Breitbart und anderen rechtskonservativen oder anti-elitären Plattformen.

Das bedeutet, dass es in den USA kein einheitliches nationales Medienfeld mehr gibt. Es gibt parallele Informationsrepubliken. Sie haben unterschiedliche Helden, unterschiedliche Skandale, unterschiedliche Vertrauensquellen, unterschiedliche moralische Tribunale und unterschiedliche Versionen der Realität.

Trump agiert genau in diesem gespaltenen Umfeld. Er sagt seiner Basis: Ihr habt recht, wenn ihr diesen Fernsehsendern nicht vertraut; ihr habt recht, wenn ihr glaubt, dass sie euch verachten; ihr habt recht, wenn ihr in den großen Redaktionen einen Teil der feindseligen Klasse seht.

Er erzwingt das Misstrauen nicht von oben. Er verwandelt ein bereits existierendes Misstrauen in politische Energie.

Liberale Redaktionen als neue politische Klasse

Trumps Anhänger sehen in den amerikanischen Medien keine neutralen journalistischen Organisationen, sondern die kulturelle Vorhut der liberalen Klasse. Für sie sind CNN, MSNBC, NPR, The New York Times und The Washington Post nicht bloß Redaktionen. Sie sind Teil desselben sozialen Blocks wie die Demokratische Partei, die Universitäten, Hollywood, Menschenrechtsorganisationen, große Stiftungen, die Bürokratie in Washington und ein Teil des Justizsystems.

Dieser Vorwurf ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Der amerikanische Journalismus konzentriert sich in der Tat auf große urbane Zentren – New York, Washington, Los Angeles, Boston, San Francisco. Dort wird die Sprache geformt, mit der später das ganze Land beschrieben wird. Doch diese Sprache ist dem Wähler aus dem ländlichen Pennsylvania, Ohio, West Virginia, Iowa, Texas oder Florida oft fremd.

Für einen beträchtlichen Teil des konservativen Amerikas sprechen die großen Medien nicht mit dem Volk, sondern über die Köpfe des Volkes hinweg. Sie moralisieren, belehren, vergeben Etiketten, verachten religiösen Konservatismus, verspotten patriotisches Pathos, betrachten die Waffen-Kultur mit Argwohn, stehen einer harten Migrationspolitik skeptisch gegenüber und stellen den Trump-Anhänger oft als moralisch minderwertiges Wesen dar: als Rassisten, Provinziellen, Fanatiker, Ignoranten oder Bedrohung für die Demokratie.

Trump hat früher als viele andere Republikaner erkannt, dass der Angriff auf die Medien nicht nur eine Nebenlinie des Wahlkampfs sein kann, sondern der zentrale Nerv einer neuen rechten Politik. Er verteidigt sich nicht bloß gegen die Presse. Er rächt sich im Namen derer, die sich über Jahre hinweg von der Presse erniedrigt fühlten.

Management von Skandalen: Schlag gegen die Quelle, nicht gegen den Fakt

Eine der Hauptfunktionen von Trumps Anti-Medien-Strategie ist die Neutralisierung von Skandalen.

Wenn eine negative Veröffentlichung erscheint, handelt Trump selten nach dem alten Muster: das Problem einräumen, eine juristische Erklärung abgeben, in die Defensive gehen, das Abklingen abwarten. Er greift fast immer die Quelle an. Nicht „Was steht da geschrieben?“, sondern „Wer hat das geschrieben?“. Nicht „Ist der Vorwurf korrekt?“, sondern „Warum stellt sich diese Redaktion wieder gegen mich?“. Nicht „Was ist passiert?“, sondern „Wer profitiert von diesem Leak?“.

Das ist eine effektive Methode der Ablenkung. Der Inhalt des Skandals tritt in den Hintergrund, und die Frage nach der Legitimität der Medien rückt ins Zentrum. Seine Anhänger diskutieren nicht mehr über die Fakten der Untersuchung, sondern über die „Verlogenheit“ der Journalisten, die Doppelmoral der Demokraten, politische Auftragsarbeiten, die Interessen der Medienkonzerne und die Arbeit des „tiefen Staates“.

Im Ergebnis verliert eine kritische Veröffentlichung ihre zerstörerische Kraft innerhalb des Trump-Wählerspektrums. Sie wird nicht zum Schuldbeweis, sondern zur Bestätigung einer Verschwörung.

Das ist die kommunikative Immunisierung. Das Publikum erhält im Voraus eine Vakzine des Misstrauens. Danach wird nahezu jedes negative Material als mit einem politischen Virus infiziert wahrgenommen.

Trump versteht das Fernsehen besser als die Fernsehmacher selbst

Das Paradoxon bei Trump ist, dass er die Mainstreammedien gleichzeitig hasst und sie exzellent für seine Zwecke nutzt.

Er ist ein Mann des Fernsehzeitalters. Vor seiner politischen Laufbahn lebte er jahrzehntelang nach der Logik von Einschaltquoten, Skandalen, Markenbildung, Provokation, der scharfen Bemerkung, dem konfliktreichen Bild und der kommerziellen Aufmerksamkeit. Er versteht eine einfache Sache: Eine ruhige Erklärung wird selten zum Ereignis. Ein Konflikt wird fast immer zum Ereignis.

Ein Journalist stellt eine harte Frage. Trump antwortet noch härter. Die Fernsehsender zeigen den Ausschnitt. Die sozialen Medien verbreiten das Video. Das liberale Publikum echauffiert sich. Das konservative Publikum applaudiert. Die Schlagzeilen vervielfachen sich. Die Gegner sprechen wieder über Trump. Die Unterstützer sehen in ihm wieder einen Kämpfer.

Für einen normalen Politiker ist negative Berichterstattung ein Problem. Für Trump ist das einzige Problem die fehlende Berichterstattung. Selbst die feindseligen Medien halten ihn durch ihre tägliche Kritik im Zentrum der amerikanischen Bühne. Sie versuchen, Trump zu demaskieren, doch gleichzeitig nähren sie seine Zentralität.

Er hat die Medien zu einer Maschine für seine eigene Präsenz gemacht.

Zweite Amtszeit: Von der Rhetorik zum administrativen Druck

Der Hauptunterschied der zweiten Amtszeit Trumps besteht darin, dass der Konflikt mit den Medien nicht mehr nur ein verbaler Krieg ist. Er ist zu einer administrativen Praxis geworden.

Es geht nicht mehr nur um Beiträge in sozialen Netzwerken, Kundgebungen oder Phrasen gegen CNN oder The New York Times. Es geht um Gerichte, Regulierungsbehörden, den Zugang zum Weißen Haus, staatliche Finanzierungen, Lizenzen, Unternehmensübernahmen und die Kontrolle von Informationslecks.

Im Dezember 2024 stimmte ABC News zu, 15 Millionen Dollar an die Stiftung für die zukünftige Präsidentenbibliothek Trumps sowie eine weitere Million Dollar für Anwaltskosten zu zahlen, um einen Verleumdungsklage beizulegen. Auslöser war eine ungenaue Aussage von George Stephanopoulos im Fall E. Jean Carroll.

Im Juli 2025 willigte Paramount, der Eigentümer von CBS, in einen Vergleich in Höhe von 16 Millionen Dollar ein, nachdem Trump wegen eines Interviews mit Kamala Harris in der Sendung „60 Minutes“ geklagt hatte. Das Geld war ebenfalls nicht für Trump persönlich bestimmt, sondern floss in die zukünftige Präsidentenbibliothek und damit verbundene Kosten. Juristisch sah es wie eine Einigung aus. Politisch war es eine Demonstration dafür, dass selbst große Medienkonzerne bereit sind zu zahlen, wenn die Kosten des Konflikts mit dem Weißen Haus zu hoch werden.

Vor diesem Hintergrund ist besonders wichtig, dass Paramount gleichzeitig große unternehmerische Interessen verfolgte, darunter Mediengeschäfte und regulatorische Fragen. Dies schuf eine Situation, in der redaktioneller Konflikt, juristisches Risiko und geschäftliche Interessen auf derselben Ebene lagen. Für Trump ist dies die ideale Architektur des Drucks: Nicht nur den Journalisten zu treffen, sondern den Eigentümer, den Aktionär, die Lizenz, das Geschäft, die Kapitalisierung und die unternehmerische Ruhe.

FCC, Lizenzen und die Angst der Medienholdings

Amerikanische Medien sind nicht nur Journalisten, Redakteure und Moderatoren. Sie sind Konzerne, Holdings, Kabelnetzwerke, Sendelizenzen, Streaming-Plattformen, Werbemärkte, Aktienwerte, Fusionen und kartellrechtliche Regulierungen.

Trump versteht diese Infrastruktur hervorragend. Daher wirkt sein Druck nicht nur durch die öffentliche Demütigung von Journalisten, sondern auch durch systematische Schwachstellen im Mediengeschäft.

Das Reuters Institute stellte 2025 fest, dass unter der Regierung Trump die amerikanische Rundfunkregulierungsbehörde Beschwerden oder Untersuchungen gegen CBS, NBC, ABC, PBS und NPR eröffnete – jedoch nicht gegen den rechtskonservativen Sender Fox News. Dies ist kein unbedeutendes Detail. Es ist ein politisches Signal an den gesamten Markt: Die redaktionelle Linie kann einen regulatorischen Preis haben.

Für einen Konzern ist nicht nur eine verlorene Klage gefährlich. Gefährlich sind Prüfungen, Verzögerungen bei Geschäften, Risiken für Lizenzen, steigende Anwaltskosten, Reputationsschäden bei Investoren, Druck auf das Management und die Politisierung von Kartellverfahren. Genau hier verlagert sich der Konflikt mit den Medien von der Ebene der Ideologie in die der politischen Ökonomie.

Trump trifft dort, wo der moderne Journalismus am verwundbarsten ist: an seiner unternehmerischen Hülle.

AP und der Krieg um das Recht, Dinge beim Namen zu nennen

Einer der symbolträchtigsten Episoden war die Geschichte der Associated Press. Nachdem die Regierung Trump begann, den Begriff „Gulf of America“ anstelle von „Gulf of Mexico“ zu verwenden, behielt AP seine eigene redaktionelle Norm bei: die Verwendung der traditionellen internationalen Bezeichnung, während die Entscheidung der amerikanischen Regierung für den internen Gebrauch anerkannt wurde.

Die Antwort des Weißen Hauses war hart: Einschränkung des Zugangs von AP zu einzelnen Veranstaltungen mit dem Präsidenten, einschließlich Orten wie dem Oval Office und der Air Force One. AP reichte Klage ein und verwies auf eine Verletzung des Ersten Verfassungszusatzes sowie auf den Versuch der Regierung, die Agentur für ihre redaktionellen Entscheidungen zu bestrafen.

Dies war nicht nur ein Streit über eine geografische Bezeichnung. Es war ein Streit darüber, wer über die Sprache verfügt. Kann die Macht ein unabhängiges Unternehmen zwingen, einen politisch bewilligten Begriff zu verwenden? Kann die Ablehnung der präsidentiellen Lexik ein Grund für die Zugangsbeschränkung werden? Wo liegt die Grenze zwischen dem Recht der Verwaltung, den Pressepool zu organisieren, und dem Verbot, Journalisten für den Inhalt ihrer Berichterstattung zu bestrafen?

Diese Episode wurde zu einem fast lehrbuchartigen Beispiel für die zweite Amtszeit Trumps: Eine symbolische Frage verwandelt sich in einen institutionellen Konflikt, Sprache wird zum Machtinstrument und der Zugang zum Präsidenten zum Werkzeug der Disziplinierung.

NPR und PBS: Schlag gegen den öffentlichen Rundfunk

Eine weitere Front ist der öffentliche Rundfunk. Im Mai 2025 unterzeichnete Trump ein Dekret zur Einstellung der staatlichen Subventionierung von NPR und PBS, nachdem er diese Strukturen der Voreingenommenheit beschuldigt hatte. Es folgte ein breiterer Schlag gegen den Haushalt: 2025 wurden durch ein Sparpaket Ausgaben in Milliardenhöhe gestrichen, darunter etwa 1,1 Milliarden Dollar für die Corporation for Public Broadcasting, die das öffentliche Radio und Fernsehen finanziert.

Für die Regierung wurde dies als Kampf gegen die Finanzierung von „voreingenommenen Medien“ auf Kosten der Steuerzahler dargestellt. Für Kritiker war es eine politische Bestrafung des öffentlichen Rundfunks für dessen redaktionelle Unabhängigkeit.

Hier ist die wirtschaftliche Seite entscheidend. Die nationalen Marken NPR und PBS haben verschiedene Einnahmequellen und verschwinden nicht sofort. Doch lokale Sender, besonders in Kleinstädten, ländlichen Regionen und Informationswüsten, in die weniger kommerzielle Werbung fließt, hängen weitaus stärker von der staatlichen Unterstützung ab. Daher ist der Schlag gegen die CPB nicht bloß ein Schlag gegen die Elite-Redaktionen in Washington. Es ist ein Angriff auf die Infrastruktur der lokalen Information, der Bildungsprogramme, der Notfallmeldungen und der regionalen Berichterstattung.

Trump nennt dies einen Kampf gegen Voreingenommenheit. Seine Gegner nennen es den Abbau unabhängiger öffentlicher Medien. Auf jeden Fall ist dies keine Rhetorik mehr. Es ist Haushaltspolitik.

Das Weiße Haus als Redaktion der Anklageschrift

Ende 2025 startete das Weiße Haus einen speziellen Bereich auf seiner offiziellen Website, der Themen wie „media bias“, „media offenders“ und eine „hall of shame“ widmet. Dort sammelt die Regierung öffentlich Beispiele dessen, was sie als falsche, voreingenommene oder verzerrte Berichterstattung betrachtet.

Allein die Tatsache, dass eine solche Ressource existiert, ist von prinzipieller Bedeutung. Früher konnte Trump Journalisten von der Tribüne einer Kundgebung oder in sozialen Netzwerken attackieren. Nun ist die Anti-Medien-Linie auf der Ebene der staatlichen Kommunikation institutionalisiert. Das Weiße Haus wird nicht nur zur Quelle der offiziellen Position, sondern zu einer Art anklagenden Redaktion, die Journalisten und Medien als Regelbrecher markiert.

Dies verändert den Charakter des Konflikts. Ein einzelner Politiker kann sich mit der Presse streiten. Aber wenn eine staatliche Website systematisch eine Liste „sündiger“ Medien führt, entsteht eine neue Frage: Wo endet die politische Kritik und wo beginnt das administrative Stigmatisieren?

Für Trump ist dies ein Instrument der Transparenz und des Gegenangriffs. Für Menschenrechtsorganisationen ist es ein besorgniserregendes Symptom für den Druck auf die Presse. Für seine Anhänger ist es die lang ersehnte Revanche gegen Medien, von denen sie sich ihrer Meinung nach jahrzehntelang als Konservative stigmatisiert fühlten.

Verschwiegenheitsklauseln für Beamte: Krieg gegen Indiskretionen

Im Mai 2026 schlug die Regierung Trump neue Verschwiegenheitsvereinbarungen (NDA) für Bundesbedienstete vor, unter dem Vorwand, gegen Informationslecks an die Presse vorzugehen. Es geht um die potenzielle Ausweitung solcher NDAs auf eine riesige Anzahl von Staatsangestellten.

Aus formaler Sicht spricht die Macht von der Verteidigung vertraulicher Informationen, der dienstlichen Disziplin und der nationalen Sicherheit. Aus politischer Sicht sehen Kritiker darin den Versuch, journalistischen Recherchen die Sauerstoffzufuhr abzuschneiden, inoffizielle Informationskanäle zu beschränken und die Kontrolle über den bürokratischen Apparat zu verschärfen.

Im amerikanischen System spielen Indiskretionen eine besondere Rolle. Sie sind oft nicht nur ein Bruch der internen Disziplin, sondern ein Mechanismus des politischen Gleichgewichts. Durch Lecks erfahren Journalisten von Machtmissbrauch, Konflikten innerhalb der Regierung, umstrittenen Entscheidungen, noch nicht ausgereiften Operationen, vertraulichen Einschätzungen der Geheimdienste und internen Machtkämpfen.

Trump hat Indiskretionen immer gehasst. Für ihn sind sie kein Teil der demokratischen Kontrolle, sondern eine Waffe des „tiefen Staates“. Daher passen die NDAs in sein breiteres Modell: Unabhängige Informationskanäle einschränken, den Apparat einer Vertikalen der Loyalität unterordnen und den Medien die Rohdaten für Recherchen entziehen.

Gerichtsklagen als politisches Spektakel der Stärke

Der juristische Krieg Trumps gegen die Medien verfolgt eine doppelte Funktion. Die erste ist rein rechtlicher Natur: das Erwirken von Entschädigungen, Gegendarstellungen, Entschuldigungen oder Vergleichen. Die zweite ist politischer Natur: seinen Anhängern zu zeigen, dass er jene Medien bestraft, die seiner Auffassung nach jahrelang ungestraft seinen Ruf zerstört haben.

Selbst wenn eine Klage schwach ist oder vom Gericht abgewiesen wird, bleibt die politische Wirkung bestehen. Der Unterstützer sieht das Wesentliche: Trump verteidigt sich nicht, er greift an. Er bittet die Medienklasse nicht um Gnade, sondern zerrt sie vor Gericht. Er nutzt gegen das System dessen eigene rechtliche Instrumente.

Im April 2026 wies ein Bundesrichter eine Klage Trumps gegen das Wall Street Journal im Zusammenhang mit Berichten über Jeffrey Epstein ab. Im Mai 2026 reichte Trump eine aktualisierte Klage über 10 Milliarden Dollar ein. Juristisch gesehen muss er den hohen Standard der „actual malice“ überwinden – den Beweis erbringen, dass die Redaktion die Falschheit der Veröffentlichung kannte oder mit bewusster Missachtung der Wahrheit handelte. Dies ist eine hohe Hürde, insbesondere für eine öffentliche Person.

Doch für die politische Dramaturgie ist der Akt der Klage selbst entscheidend. Er erzeugt ein Bild: Präsident gegen Medienimperium, Anführer gegen Verleumder, Volkstribun gegen die Konzernpresse. Das juristische Ergebnis mag auf sich warten lassen, doch das politische Signal ist sofort gesendet.

Die neue Medienrealität: Podcasts, Influencer und die Umgehung der alten Presse

Trump kann sich diese Härte leisten, weil alte Medien nicht mehr die obligatorischen Vermittler zwischen Politiker und Publikum sind.

Das Reuters Institute hielt im Digital News Report 2025 den fortwährenden Bedeutungsverlust traditioneller Medien und den wachsenden Stellenwert sozialer Netzwerke, Videos, Aggregatoren, Podcasts und Influencer fest. In den USA blieb nach Trumps Rückkehr der klassische „Trump-Bump“ für alte Redaktionen aus. Stattdessen nahm die Nutzung sozialer Plattformen zur Nachrichtenbeschaffung zu.

Pew Research zeigte, dass etwa ein Fünftel der erwachsenen Amerikaner regelmäßig Nachrichten von Influencern in sozialen Netzwerken bezieht. In rechtskonservativen Kreisen sind Podcasts und Autoren-Shows längst nicht mehr Peripherie, sondern zentrale politische Infrastruktur geworden. Joe Rogan, Tucker Carlson, Megyn Kelly, Ben Shapiro, Candace Owens und andere Akteure sind nicht mehr bloße Kommentatoren. Sie sind zu alternativen Vertrauenszentren geworden.

Dies verschiebt die Machtverhältnisse fundamental. Früher musste ein Präsident, selbst im Streit mit der Presse, berücksichtigen, dass große Fernsehsender und Zeitungen sein Image für das Land filtern. Trump lebt in einem anderen System. Er verfügt über ein eigenes Medienspektrum: Truth Social, Fox News, befreundete Podcasts, YouTube-Shows, X, konservative Influencer, lokale Radio-Moderatoren, Telegram-Kanäle, Online-Plattformen und eine Armee digitaler Unterstützer.

Er versucht nicht, den alten Medien zu gefallen. Er nutzt deren Feindseligkeit als Treibstoff für sein eigenes Ökosystem.

Warum diese Strategie funktioniert

Die Härte Trumps gegen die Medien funktioniert aus mehreren Gründen.

Erstens bietet sie seinen Anhängern emotionale Genugtuung. Viele von ihnen empfanden über Jahre hinweg, dass große Redaktionen ihre Werte, ihre Religion, ihren Patriotismus, ihre Haltung zu Waffen, Polizei, Grenzen, Militär, Familie und traditioneller Lebensweise verachteten. Trump sagt den Medien das, was sie selbst gerne sagen würden.

Zweitens verwandelt sie jeden Angriff auf Trump in einen Beweis seiner Rechtmäßigkeit. Je lauter die Gegner schreien, desto stärker überzeugt sich seine Basis: Das System hat Angst bekommen.

Drittens diszipliniert sie die Republikanische Partei. Ein republikanischer Politiker, der beginnt, CNN, MSNBC oder The New York Times gegen Trump zu verteidigen, riskiert, in den Augen der eigenen Basis als Fremdkörper zu gelten.

Viertens zwingt sie die Medien dazu, ständig über Trump zu sprechen. Selbst wenn sie seine Angriffe verurteilen, festigen sie seine zentrale Rolle im politischen Spektakel.

Fünftens erzeugt sie den Anschein von Stärke. Trump wirkt nicht wie ein Mensch, der sich vor Journalisten rechtfertigt. Er wirkt wie jemand, der Journalisten zum Kampf fordert.

Die gefährliche Grenze: Kritik an der Presse oder Druck auf die Meinungsfreiheit?

Dabei darf nicht ignoriert werden, dass diese Strategie eine gefährliche Seite hat.

Die amerikanische Presse hat tatsächlich schwerwiegende Fehler begangen. Sie war oft ideologisch voreingenommen, moralisierend, selbstgefällig und vom Hinterland des Landes entfremdet. Sie ersetzte Analyse durch wertebasierte Predigten und verwechselte bisweilen Journalismus mit politischem Aktivismus. Medien zu kritisieren ist notwendig. Ohne Kritik verwandelt sich die Presse selbst in eine geschlossene Kaste.

Doch es ist eine Sache, Journalisten zu kritisieren, Fehler aufzudecken, Standards einzufordern oder über konkrete Fakten zu prozessieren. Es ist eine andere Sache, staatliche Ressourcen, Regulierungsbehörden, Budgets, Zugangsberechtigungen, Lizenzen, unternehmerische Ängste und die offizielle Website des Weißen Hauses für systematisches Druckausüben auf unliebsame Redaktionen zu nutzen.

Hier verläuft die entscheidende Grenze. Wenn die Regierung mit der Presse streitet, ist das Politik. Wenn die Regierung beginnt, die Presse für ihre redaktionelle Haltung zu bestrafen, ist das eine Frage der Meinungsfreiheit.

Trump legt gleichzeitig eine reale Krankheit der amerikanischen Medien offen und nutzt diese Krankheit zur Stärkung seiner eigenen Macht. Genau deshalb lässt sich der Konflikt nicht mit einer einzigen Formel beschreiben. Er ist nicht einfach im Recht. Und er ist nicht einfach autoritär. Er bewegt sich in einer Grauzone, in der berechtigte Kritik an der Medienklasse mit dem Wunsch verschmilzt, diese Klasse in Angst und Schrecken zu versetzen.

Der Hauptkampf: Um die Macht über die Realität

Letztendlich ist Trumps Krieg gegen die Medien kein Streit über Journalismus. Es ist ein Kampf um die Macht über die Realität.

Wer erklärt den Amerikanern, was im Land passiert? CNN? The New York Times? Fox News? Das Weiße Haus? Podcaster? Influencer? Algorithmen? Trump selbst?

Politik des 21. Jahrhunderts ist nicht nur die Kontrolle über Armee, Haushalt, Grenzen, Gerichte und Gesetze. Es ist die Kontrolle über die Interpretation. Wer als Erster ein Ereignis benennt, hat oft schon halb gewonnen. Wer den Rahmen vorgibt, steuert die Emotion. Wer einen Schuldigen benennt, lenkt den Zorn. Wer ein Opfer bestimmt, erntet Mitleid.

Medien besaßen diese Macht über Jahrzehnte. Trump versucht, sie ihnen zu entreißen.

Er will, dass seine Anhänger nicht einen Präsidenten unter dem Feuer von Untersuchungen sehen, sondern einen Anführer, der von einem korrupten System angegriffen wird. Nicht einen Politiker, der mit der Presse im Konflikt steht, sondern einen Mann, der ein verlogenes Medienimperium entlarvt. Nicht ein Objekt journalistischer Kontrolle, sondern einen Richter über die Journalisten selbst.

Das ist der Grund, warum sein Krieg mit den Medien so erbittert ist. Es ist kein nebensächlicher Konflikt. Es ist eine der zentralen Fronten des Trumpismus.

Für Trump sind die amerikanischen Medien nicht bloß Kritiker. Sie sind die ehemaligen Eigentümer der politischen Realität. Er aber will ihr Chefredakteur werden.